Allgemeine Störungen und Fehlerquellen
Kopiereffekt

 

Leider gibt es noch einige störende Einflüsse, die sich nachteilig auf Gerät und Band auswirken können.  Ein solcher Effekt ist zum Beispiel das Durchkopieren von einer Lage zur anderen Lage auf dem Wickel. Dieses Durchkopieren ist unvermeidlich, wenngleich die Stärke des auch als „print – trough“ bekannten Echos von äußeren Faktoren beeinflusst werden kann. So tritt der Kopiereffekt bei höheren Temperaturen stärker auf. Auch ist die Dauer der Einwirkung von Bedeutung, in geringerem Maße auch die Luftfeuchtigkeit. Auch die Lagerung in einem schwachen elektrischen Wechselfeld begünstigt das Auftreten des Kopiereffektes. Der Kopiereffekt ist auch von der Zusammensetzung und den Reinheitsgrad des verwendeten Magnetmaterials erzielt werden. Die Stärke der Echos ist frequenz- und amplitudenabhängig, tiefere Frequenzen und laute Geräusche werden eher kopiert als kürze Wellenlängen mit geringerem Aufzeichnungspegel. Beobachtungen bei Langzeitarchivierung lassen die Vermutung zu, das der Kopiereffekt irgendwann zum Stillstand kommt. Durch Lagerung der Tonträger, fern von elektrischen Leitungen, bei Temperaturen von 21o  Celsius oder darunter in trockener Umgebung und bei regelmäßigem Umspulen, wenigstens in jährlichem Zyklus, lassen sich Echos zwar nicht gänzlich vermeiden, aber doch in ihrer Stärke begrenzen. Allerdings werden solche Lagerbedingungen oft nicht einmal bei den sonst so peniblen Rundfunkanstalten eingehalten. Echos, die nicht durch die Einwirkung von Wechselfeldern entstanden sind, lassen sich zum Teil wieder entfernen, indem man das Band einem schwachen Wechselfeld aussetzt, indem man auch bei der Wiedergabe den Löschkopf aktiviert und mit einem sehr geringen Löschfeld  die Echos löscht. Da das Nutzsignal wesentlich stärker als die Echos ist, wird seine Stärke nicht zu sehr verringert. In er nebenstehenden Abbildung sind die Echos ( rot) deutlich zu erkennen.

 

 

Alterung der Tonträger 

Ein weiteres, allgemein bekanntes Problem bei älteren Magnetbändern stellt das sogenannte Schmieren dar. Hierbei lagern sich beim Transport des Bandes an Umlenkhebeln oder Tonköpfen zäh- harte Krusten ab, die nur schlecht zu entfernen sind. Lässt man das Band beim Umspulen durch ein Tuch laufen, kann man dort deutlich sehen, wie viel dieser Ablagerungen zurückbleiben. Es kursieren Empfehlungen, Bänder auf diese Weise von Ablagerungen zu befreien. Ich würde davon allerdings abraten, da auch Teile der Magnetschicht entfernt werden. Diese Schmierkrusten setzen sich aus angelöstem Bindemittel der Beschichtung und ggf. der Rückseitenmattierung zusammen. In manchen Fällen kann sich der Umspulvorgang bis zum Stillstand verlangsamen. Bei Aufnahme und Wiedergabe setzen sich die Köpfe unter Umständen derart schnell zu, das der Eindruck ein Ausblendung entsteht. 

Die Entstehung des Schmierens wird auf eine hydrolytische Anlösung des Binders, der die Magnetschicht zusammenhält und mit dem Trägermaterial verbindet, zurückgeführt. Dabei wird durch die Luftfeuchtigkeit das Bindemittel gewissermaßen aufgeweicht und bei mechanischer Belastung abgelöst. Dies gilt für die eventuell vorhandene Rückseitenmattierung sinngemäß.

 

Zum Glück lässt sich hier Abhilfe schaffen, um zumindest durch Umkopieren die Inhalte der Bänder zu retten. Der Verfasser hat bei einer erheblichen Anzahl von Tonbändern den Schmiereffekt durch Wärmebehandlung der Tonträger im Backofen beseitigt. Die Bänder waren auf Aluminiumspulen aufgewickelt. Ein Vorversuch ergab, das de Vorspannbänder zum Verspröden und Verkleben neigten und vor dem Backen entfernt werden mussten. Dann wurden die Spulen im Backofen auf einem Gitterrost gestapelt, wobei zwischen den einzelnen Spulen Flaschenkorken für Abstand und damit Luftaustausch sorgten. Bei einer Temperatur von 50o Celsius verblieben die Tonträger für 90 – 120 Minuten im Backofen, wobei auch die kurze Einwirkungszeit ausreichte. Etwa alle 15 Minuten wurde die Backofentür zum lüften geöffnet. Auf das Beträufeln mit Bratensoße wurde verzichtet. Danach waren bei der Verwendung keinerlei unerwünschte Ablagerungen mehr festzustellen. Verformungen des Bandmaterials waren nicht erkennbar. Im beschriebenen Fall konnten Kopien problemlos erstellt werden. Eine Garantie für das Gelingen kann natürlich nicht gegeben werden, und der Autor lehnt jede Haftung ab. Sicherheitshalber sollten solche Bänder nicht mehr für kritische Aufzeichnungen verwendet werden, die Verwendung als Luftschlange ist jedoch uneingeschränkt möglich. Wie mir die Fa. Quantegy im Januar 2003 auf Anfrage mitteilte, lässt sich der Hydrolyseeffekt durch die Wärmebehandlung nur unterbrechen und setzt sich nach einiger Zeit fort. Allerdings habe man bei Quantegy das Problem mittlerweile durch eine Änderung in der Zusammensetzung des Binders mittlerweile behoben. Der Schmiereffekt tritt nicht bei jedem Bandmaterial auf. Im Bestand des Verfassers haben sich die Bandtypen BASF LPR35, Scotch 207 (Revox 601) und Agfa PEM 268 /368  über mehr als 25 Jahre lagerstabil erwiesen. Ein kürzlich erworbenes Tonband Revox 641 (Ampex 457) war schon im Neuzustand unbrauchbar.

Da die Zersetzung des Binders bei betroffenen Bändern in der Hauptsache durch Luftfeuchtigkeit verursacht wird, liegt es nahe, die Bänder in Vakuumbeuteln, wie sie auch für Nahrungsmittel verwendet werden, zu lagern. Auch die Beigabe von hygroskopischem Material in die Archivbox könnte eine Lösung sein. Zu beiden Vorschlägen liegen aber keine Erfahrungen über längere Zeiträume vor.

Restmagnetismus 

Wenn man sich ein Tonband als eine Aneinanderreihung von winzigen Magneten vorstellt, wird klar, dass diese Magnete in der Spule des Hörkopfes Induktionen hervorrufen. Aber gleichzeitig verursachen die Magnetfelder auf dem Tonträger Magnetisierungen an den Bauteilen des Bandpfades wie Umlenkhebel oder den Köpfen selbst. Auch die Köpfe können durch sehr starke Induktionsspitzen (Schaltknacke o. ä.) magnetisch werden. Der Restmagnetismus an Bauteilen kann seinerseits wieder Gleichfeldremanenzen auf dem Tonträger hinterlassen. Dadurch werden die Aufnahmen auf dem Band natürlich angelöscht und dahingehend beschädigt, das ein störendes Rauschen entsteht.

Der Restmagnetismus lässt sich einfach durch Entmagnetisieren mit einer Entmagnetisierungsdrossel beseitigen. Dazu entfernt man zuerst die Bänder vom Gerät und schaltet dieses aus. Nun bestreicht man mit eingeschalteter Drossel alle Metallteile des Bandpfades, auch die Kopfspiegel, mit kreisenden Bewegungen. Nachdem dies erledigt ist, entfernt man die Drossel mit größer werdenden Kreisbewegungen bei gleichzeitigem Zurückgehen vom Gerät. Das Ende der Prozedur mag zwar aussehen wie eine Beschwörung, hat aber den Sinn, das Magnetfeld  langsam abzubauen.

 

Eine Berührung der empfindlichen Kopfspiegel sollte unbedingt vermieden werden. Um bei möglicher Berührung der Spiegel Kratzer zu vermeiden, ist es sinnvoll, die Metallspitze der Entmagnetisierungsdrossel mit Isolier- oder Gewebeband zu umwickeln. Beim Kauf einer Drossel sollte man auf eine stabile Ausführung achten. Das Magnetfeld der eingeschalteten Drossel sollte stark genug sein, einige Schlüssel anzuheben oder spürbar an Eisenmetallen haften.

 

 Sauberhaltung des Gerätes 

Für einwandfreie Aufnahme und Wiedergabe müssen alle Teile des Bandpfades sauber sein. Zur Reinigung eignet sich gleichermaßen Brennspiritus oder Isopropyl- bzw. Isopropanolalkohol. Feuerzeugbenzin ist weniger empfehlenswert, da es u. U. Kunststoffteile angreifen kann. In Sonderfällen, bei sehr hartnäckigen Verschmutzungen kann Benzin jedoch mit größter Vorsicht angewandt werden.  Lackverdünner oder gar Aceton sind völlig ungeeignet. Das Reinigungsmittel wird auf z. B. ein Wattestäbchen aufgebracht und mit diesem dann die Verschmutzungen entfernt. Auch gut geeignet sind Papierfilter (nicht solche mit Aktivkohle) für Pfeifen und Zigarettenspitzen, z. B. von Dr. Perl, die in guten Tabakwarengeschäften erhältlich sind. Diese Filter lassen sich gut auf Holzstäbe aufspießen und eignen sich hervorragend zum entfernen von härteren Ablagerungen. Metallene Gerätschaften sollten auf keinen Fall für die Reinigung des Bandpfades verwendet werden, da neben Magnetisierungen de Gefahr von Kratzern besteht. Die zahlreichen Sprays sind natürlich auch für die Reinigung geeignet. Da aber auch hier nachgeputzt werden muss, kann man doch gleich zum preiswerten Spiritus greifen. Die Tonrolle darf bei der Reinigung nicht vergessen werden. Hier genügt es, in der START- Position die sich drehende Tonrolle und Welle mit einem Wattestäbchen oder einfach einem Stofftuch unter mäßigem Druck zu berühren. Ist die Tonrolle im Laufe der Zeit glänzend geworden, kann man diese Schicht mit feinem Schmirgelpapier wieder entfernen. VORSICHT! Bei spröder oder rissiger Gummirolle kann das zur Zerstörung der Tonrolle führen. Gummipflegemittel versprechen oft, den Versprödungsprozess zu stoppen, enthalten aber meist Gleitmittel, die an dieser Stelle den Schlupf unzulässig vergrößern und daher nur schaden können.

 

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