Allgemeine
Störungen und Fehlerquellen
Kopiereffekt
Alterung der Tonträger Ein
weiteres, allgemein bekanntes Problem bei älteren Magnetbändern stellt
das sogenannte Schmieren dar. Hierbei lagern sich beim Transport des
Bandes an Umlenkhebeln oder Tonköpfen zäh- harte Krusten ab, die nur
schlecht zu entfernen sind. Lässt man das Band beim Umspulen durch ein
Tuch laufen, kann man dort deutlich sehen, wie viel dieser Ablagerungen
zurückbleiben. Es kursieren Empfehlungen, Bänder auf diese Weise von
Ablagerungen zu befreien. Ich würde davon allerdings abraten, da auch
Teile der Magnetschicht entfernt werden. Diese Schmierkrusten setzen
sich aus angelöstem Bindemittel der Beschichtung und ggf. der Rückseitenmattierung
zusammen. In manchen Fällen kann sich der Umspulvorgang bis zum
Stillstand verlangsamen. Bei Aufnahme und Wiedergabe setzen sich die Köpfe
unter Umständen derart schnell zu, das der Eindruck ein Ausblendung
entsteht. Die
Entstehung des Schmierens wird auf eine hydrolytische Anlösung des
Binders, der die Magnetschicht zusammenhält und mit dem Trägermaterial
verbindet, zurückgeführt. Dabei wird durch die Luftfeuchtigkeit das
Bindemittel gewissermaßen aufgeweicht und bei mechanischer Belastung
abgelöst. Dies gilt für die eventuell vorhandene Rückseitenmattierung
sinngemäß. Zum
Glück lässt sich hier Abhilfe schaffen, um zumindest durch Umkopieren
die Inhalte der Bänder zu retten. Der Verfasser hat bei einer
erheblichen Anzahl von Tonbändern den Schmiereffekt durch Wärmebehandlung
der Tonträger im Backofen beseitigt. Die Bänder waren auf
Aluminiumspulen aufgewickelt. Ein Vorversuch ergab, das de Vorspannbänder
zum Verspröden und Verkleben neigten und vor dem Backen entfernt werden
mussten. Dann wurden die Spulen im Backofen auf einem Gitterrost
gestapelt, wobei zwischen den einzelnen Spulen Flaschenkorken für
Abstand und damit Luftaustausch sorgten. Bei einer Temperatur von 50o
Celsius verblieben die Tonträger für 90 – 120 Minuten im Backofen,
wobei auch die kurze Einwirkungszeit ausreichte. Etwa alle 15 Minuten
wurde die Backofentür zum lüften geöffnet. Auf das Beträufeln mit
Bratensoße wurde verzichtet. Danach waren bei der Verwendung keinerlei
unerwünschte Ablagerungen mehr festzustellen. Verformungen des
Bandmaterials waren nicht erkennbar. Im beschriebenen Fall konnten
Kopien problemlos erstellt werden. Eine Garantie für das Gelingen kann
natürlich nicht gegeben werden, und der Autor lehnt jede Haftung ab.
Sicherheitshalber sollten solche Bänder nicht mehr für kritische
Aufzeichnungen verwendet werden, die Verwendung als Luftschlange ist
jedoch uneingeschränkt möglich. Wie mir die Fa. Quantegy im Januar
2003 auf Anfrage mitteilte, lässt sich der Hydrolyseeffekt durch die Wärmebehandlung
nur unterbrechen und setzt sich nach einiger Zeit fort. Allerdings habe
man bei Quantegy das Problem mittlerweile durch eine Änderung in der
Zusammensetzung des Binders mittlerweile behoben. Der Schmiereffekt
tritt nicht bei jedem Bandmaterial auf. Im Bestand des Verfassers haben
sich die Bandtypen BASF LPR35, Scotch 207 (Revox 601) und Agfa PEM 268
/368 über mehr als 25
Jahre lagerstabil erwiesen. Ein kürzlich erworbenes Tonband Revox 641 (Ampex
457) war schon im Neuzustand unbrauchbar. Da die Zersetzung des Binders bei betroffenen Bändern in der Hauptsache durch Luftfeuchtigkeit verursacht wird, liegt es nahe, die Bänder in Vakuumbeuteln, wie sie auch für Nahrungsmittel verwendet werden, zu lagern. Auch die Beigabe von hygroskopischem Material in die Archivbox könnte eine Lösung sein. Zu beiden Vorschlägen liegen aber keine Erfahrungen über längere Zeiträume vor. Restmagnetismus Wenn
man sich ein Tonband als eine Aneinanderreihung von winzigen Magneten
vorstellt, wird klar, dass diese Magnete in der Spule des Hörkopfes
Induktionen hervorrufen. Aber gleichzeitig verursachen die Magnetfelder
auf dem Tonträger Magnetisierungen an den Bauteilen des Bandpfades wie
Umlenkhebel oder den Köpfen selbst. Auch die Köpfe können durch sehr
starke Induktionsspitzen (Schaltknacke o. ä.) magnetisch werden. Der
Restmagnetismus an Bauteilen kann seinerseits wieder
Gleichfeldremanenzen auf dem Tonträger hinterlassen. Dadurch werden die
Aufnahmen auf dem Band natürlich angelöscht und dahingehend beschädigt,
das ein störendes Rauschen entsteht. Der
Restmagnetismus lässt sich einfach durch Entmagnetisieren mit einer
Entmagnetisierungsdrossel beseitigen. Dazu entfernt man zuerst die Bänder
vom Gerät und schaltet dieses aus. Nun bestreicht man mit
eingeschalteter Drossel alle Metallteile des Bandpfades, auch die
Kopfspiegel, mit kreisenden Bewegungen. Nachdem dies erledigt ist,
entfernt man die Drossel mit größer werdenden Kreisbewegungen bei
gleichzeitigem Zurückgehen vom Gerät. Das Ende der Prozedur mag zwar
aussehen wie eine Beschwörung, hat aber den Sinn, das Magnetfeld
langsam abzubauen. Eine
Berührung der empfindlichen Kopfspiegel sollte unbedingt vermieden
werden. Um bei möglicher Berührung der Spiegel Kratzer zu vermeiden,
ist es sinnvoll, die Metallspitze der Entmagnetisierungsdrossel mit
Isolier- oder Gewebeband zu umwickeln. Beim Kauf einer Drossel sollte
man auf eine stabile Ausführung achten. Das Magnetfeld der
eingeschalteten Drossel sollte stark genug sein, einige Schlüssel
anzuheben oder spürbar an Eisenmetallen haften. Sauberhaltung des Gerätes Für
einwandfreie Aufnahme und Wiedergabe müssen alle Teile des Bandpfades
sauber sein. Zur Reinigung eignet sich gleichermaßen Brennspiritus oder
Isopropyl- bzw. Isopropanolalkohol. Feuerzeugbenzin ist weniger
empfehlenswert, da es u. U. Kunststoffteile angreifen kann. In Sonderfällen,
bei sehr hartnäckigen Verschmutzungen kann Benzin jedoch mit größter
Vorsicht angewandt werden. Lackverdünner
oder gar Aceton sind völlig ungeeignet.
|